Die „Nacht der Kirchen“ ist wie andernorts auch in Wiesbaden zu einer beliebten Tradition geworden. Alljährlich laden ausgewählte Kirchengemeinden in ökumenischer Verbundenheit zeitgleich in ihre Gotteshäuser ein.
In Wiesbaden boten in diesem Jahr am Freitag, dem 6. September, ab 18.30 Uhr 20 Kirchen unterschiedlicher Konfessionen durch eine ansprechende Vielfalt gekennzeichnete Programme.
Zuvor gestalteten Stadtkirchenpfarrerin Bettina Friehmelt (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) und Pastoralreferent Thomas Weinert (Katholisches Stadtbüro Wiesbaden) um 18 Uhr vor der Marktkirche eine ökumenische Andacht. An ihr nahmen auch die beiden ACK-Delegierten der Neuapostolischen Kirche in Wiesbaden teil.
Anschließend bestand für interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, zu den teilnehmenden Kirchen zu pendeln und deren Programmangebote wahrzunehmen, motiviert durch die Einladung im Vorwort des Programmheftes (Programm) „Freuen Sie sich auf diese Nacht in Wiesbaden. Ihnen stehen nicht nur die Türen der Kirchen offen, Sie werden auch erwartet. …
Sie können Musik hören und erleben, Sie können mitsingen und beten, aber auch schweigen und lauschen. Sie können Geschichten von den Kirchen hören, die Sie besuchen, und weit in die Vergangenheit eintauchen, in die Zeit, als die ersten Kirchen in Wiesbaden erbaut wurden. Sie können sich das Innere der Kirchen zeigen und erklären lassen und den Kirchen aufs Dach steigen. Kunst können Sie betrachten, staunen und sich darüber freuen. …
Also machen Sie sich auf den Weg und kommen Sie zu uns. Wir, die Kirchen in Wiesbaden, haben einiges zu bieten!“
Dies galt auch für die neuapostolische Kirchengemeinde in Wiesbaden. Bereits im Vorjahr hatte sie sich im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Wiesbaden an einem gemeinsamen Programm in der anglikanischen Kirche St. Augustine of Canterbury beteiligt. Nun lud sie in diesem Jahr in ihre architektonisch beeindruckende Kirche in der Schiersteiner Straße 40 ein.
Ein abwechslungsreiches Programm erwartete die zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Unter ihnen befanden sich zeitweise auch Stadtkirchenpfarrerin Bettina Friehmelt und Pfarrer Andreas Günther (Vorsitzender der örtlichen ACK).
Unter dem Motto Come in & Chill out luden um 18.30 Uhr entspannende Improvisationen am Flügel ein, mit dem Betreten des Kirchenschiffs die Woche hinter sich zu lassen und beim Zuhören unter der Wirkung der inspirierenden Musik innere Ruhe zu finden.
Nicht nur zum Zuhören und Staunen, auch zum Mitsingen gedacht war das erste Highlight des Abends: Taizé meets Poetry Slam. Lesungen von biblischen und lyrischen Texten ergänzten oder kontrastierten berührende Taizé-Gesänge.
Wessen Interesse vor allem den musikalischen Darbietungen in den teilnehmenden Kirchen galt, dessen Erwartungen konnten sich ebenso beim nächsten Programmpunkt erfüllen: EWIGE LIEBE - Harmonies of Devotion. Im KonzertChor Südhessen der Neuapostolischen Kirche wirken einige Wiesbadener Sängerinnen und Sänger mit. Das Ensemble erfreute unter der Leitung seines Dirigenten Burkhard A. Schmitt mit dem einfühlsamen Vortrag von zehn Tonsätzen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Der Bogen spannte sich von „Gott, ja Gott ist die Liebe“ (Julius Katterfeld) bis „Der Herr behüte dich“ (Beat Fritschi).
„Über Bitten und Verstehen“ – Beten wirkt! Auf die Reflexion des diesjährigen Jahresmottos der Neuapostolischen Kirche zielte Priester Matthias Hagemann mit einem kurzen Impulsvortrag und einem von ihm moderierten Podiumsgespräch mit Schwester Tanja Becker, Diakonin Jessica Kriewald, Diakon Ole Pahlkötter und Priester i.R. Michael Pahlkötter.
In der Zeit zwischen den Programmpunkten konnten die Besucherinnen und Besucher das denkmalgeschützte Kirchengebäude und eine Ausstellung zur Baugeschichte besichtigen, in Gesprächen Informationen zur Neuapostolischen Kirche erhalten, Kontakte pflegen oder das Kirchenschiff für innere Einkehr in Stille nutzen.
Fazit: Die „Nacht der Kirchen“ bot vielfältige Gelegenheiten zur Besinnung. Diesem Ziel diente auch eine abschließende Andacht unter Leitung des Gemeindevorstehers, Evangelist Jens Oster. Sie ließ den Tag mit zwei gemeinsam gesungenen Chorälen, einem Auszug aus Psalm 22, einigen Impulsen zum Gebet am Abend und einem Kreisgebet von vier Gemeindemitgliedern ausklingen.
Mit dem Lied* „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ in Ohr und Herz machten sich diejenigen auf den Heimweg, die bis zuletzt geblieben waren. Nicht nur Beten wirkt, auch die „Nacht der Kirchen“ wirkt - über den 6. September hinaus.
* Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche, Nr. 325
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